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Siebter Kongress der Internationalen J.-G.-Fichte-Gesellschaft
Fichte/Schelling. Der Idealismus in der Diskussion
6-9/10/2009- Brüsseler Akademie der Wissenschaften


In Zusammenarbeit mit der
Internationalen Schelling-Gesellschaft


Der Kongress der Internationalen Fichte-Gesellschaft 2009 findet vom 6. bis zum 9. Oktober unter der Ägide der Universität Toulouse Le Mirail und der Katholischen Universität Louvain-la-Neuve an der „Académie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux Arts“ in Brüssel statt. Er ist dem Austausch zwischen Fichte und Schelling, den diese sowohl vor als auch nach dem Abbruch ihres brieflichen Kontakts 1802 in ihren Werken explizit oder implizit gepflegt haben, gewidmet und wird in enger Zusammenarbeit mit der Internationalen Schelling-Gesellschaft ausgerichtet.
Die Organisatoren des Kongresses sind der Überzeugung, dass die Fichte- und auch die Schelling-Forschung die beengte Sichtweise der Konfrontation und des Disputs, die die Deutsche-Idealismus-Forschung lange Zeit beherrscht haben, aufgegeben werden muss und sich somit nicht auf die gewiss existierende Polemik zwischen den beiden Denkern beschränken darf. In dieser Hinsicht möchte der Brüsseler Kongress den in dem bedeutenden Band 25 der Fichte-Studien über den Briefwechsel Schelling/Fichte durch Kenner des Werks Fichtes und Schellings zu einem ersten Ausdruck gebrachten Forschungsansatz fortführen.
Der Kongress zielt dabei nicht bloß darauf ab, aufzuzeigen, wie die Auseinandersetzung beider Denker dazu beigetragen hat, ihre jeweilige Philosophie auf eine je eigene Weise dem entsprechenden Diskussionsstand anzupassen, sondern auch darauf, herauszuarbeiten, wie dieser Konkurrenzkampf paradoxerweise zum Ausgangspunkt einer gewissen gegenseitigen Verschränkung, einer Übereinstimmung in der Herangehensweise und vielleicht sogar ihrer eigensten philosophischen Entdeckungen hat werden können. Der Kongress wird den Divergenzen und Unterschieden, den Missverständnissen und verpassten Gelegenheiten zwischen beiden Autoren nachgehen, er wird aber auch die Art und Weise untersuchen, wie in gewisser Weise ein gemeinschaftliches Werk aus dieser Auseinandersetzung hervorgegangen ist – nämlich als eine Neugründung des Idealismus und als eine tiefgehende Transformation der Transzendentalphilosophie und ihres Bezugs zur Idee einer Metaphysik.
Der Gegensatz der Philosophien Fichtes und Schellings ist wohlbekannt, aber nur das Ernstnehmen der von beiden geteilten Grundproblematik, die große Nähe der von ihnen gelieferten Antworten und die bestehenden strukturellen Analogien vermögen ihn in seiner Notwendigkeit und Radikalität herauszuarbeiten – um so die karikierte Gegenüberstellung einer Metaphysik der Subjektivität und einer Metaphysik der Natur oder des Absoluten zu vermeiden, wodurch man sich gemeinhin der Anstrengung entledigt, den in allen Phasen ihrer denkerischen Entwicklung gemeinsam begangenen Weg der Differenzierung eigens zu beschreiten.
Diese Möglichkeit, die Auseinandersetzung zwischen Fichte und Schelling von Grund auf neu auszulegen, wird insbesondere durch die bemerkenswerte Entwicklung, die in den vergangenen zehn Jahren die internationale Fichte-Forschung des fichteschen Werks nach 1800 genommen hat, gegeben. Die hierdurch erworbenen Erkenntnisse gestatten es, die Übereinstimmung beider Werke über den Briefwechsel hinaus hervorzuheben und umgekehrt dessen Sinn und Tragweite aufzuhellen. So ist z. Bsp. sehr bemerkenswert, dass sich beide Denker nach 1802 über die Berechtigung streiten, gewisse Grundbegriffe zu gebrauchen, die nichts weniger als die Identität ihrer jeweiligen Lehre betrifft – dies ist etwa mit dem Begriff der Philosophie als Wissenschaft des Göttlichen, als Lehre des Daseins des Absoluten, des Begriffs der doppelten Disjunktion des Einen, des Begriffs des Bildes und seines konstitutiven Selbstbewusstseins, des Begriffs des Reflexes, des Bandes, der Liebe usw. der Fall. Der Kongress beabsichtigt dabei, die verschiedenen, von Fichte und Schelling in einem gemeinsamen begrifflichen Feld (das nicht nur das der kantischen Transzendentalphilosophie, sondern auch das des Spinozismus ist) aufgewiesenen und vertieften Möglichkeiten zu erforschen.
Ein Organisationsgremium, das insbesondere aus Mitgliedern des Vorstands und des wissenschaftlichen Beirats der Internationalen Fichte-Gesellschaft, der Präsidentin der Internationalen Schelling-Gesellschaft und Mitgliedern der Französisch-Belgischen Gruppe der französischsprachigen Fichte-Studien wie auch aus einem eigens geschaffenen internationalen Scientific Board besteht, wurde ins Leben gerufen und arbeitet seit sechs Monaten daran, die endgültige Form des Kongresses festzulegen.
Um so weit wie möglich die Begegnung der verschiedenen versammelten Gesellschaften und Forschungsnetzwerken zu begünstigen und der Diskussion zwischen den Forschern den Vorrang zu geben, wurde beschlossen, den Kongress in „Workshops“ einzuteilen. Für alle bedeutenden Themen, über die Fichte und Schelling sich annähern und auch entzweien – die Definition der Philosophie, die Religion, die Staatsphilosophie, die Ästhetik usw. – sind dabei zwei Arten von Workshops vorgesehen: 1) Workshops, die beide Denker in Bezug auf eine präzise Themenfrage in Beziehung setzen; 2) Workshops, die der Textanalyse gewidmet sind – wobei der gegenseitige Bezug und Einfluss im Vordergrund zu stehen hat.
Alle weiteren Informationen die Organisation und die Anmeldung zum Kongress betreffend finden Sie auf der Webseite Europhilosophie:
Fichte Kongress 2009
Congrès Fichte 2009 (fr)

News posted by: Marco Rampazzo Bazzan